Ein Blick über den Tellerrand soll ja angeblich noch niemandem geschadet haben: Bislang wurde der Markt der Vollformat-Systemkameras (DSLM) in großen Teilen von Sony Alpha bestimmt und am oberen Rand durch Leica abgerundet. Erst mit der Einführung der Canon EOS-R und der Nikon Z6/Z7 hat sich das Angebot um ein vielfaches vergrößert, während Olympus, Fujifilm, Pentax und andere Hersteller weiterhin mit Micro-Four-Thirds oder APS-C und in Teilen sogar mit Mittelformat-Sensoren ihren Erfolg suchen.

Mit der Ankündigung der Panasonic S1 als Vollformat DSLM verlässt der Hersteller nun sein angestammtes Gebiet der MFT-DSLMs (Micro-Four-Thirds) und startet ohne Umweg über APS-C direkt mit einem Modell mit Vollformat-Sensor durch. Was auf den ersten Blick wie ein tollkühner Plan wirkt, relativiert sich recht schnell wenn man bedenkt, dass sich Marktführer wie Panasonic selbst, Leica und auch Sigma als Lieferant für hochwertige Optiken an der L-Mount Allianz beteiligen.

Vollformat und APS-C in einem System?

Besonders vor dem Hintergrund der Limitierung von ca. 20 Megapixeln bei Sensoren im Format Micro-Four-Thirds können die Kameras heute nicht mehr mit den APS-C- oder sogar Vollformat-Sensoren mithalten. Gleiches gilt für das Rauschverhalten. Die Konzentration auf das Vollformat kann somit genau der richtige Weg sein, um neue Kundengruppen zu erschließen oder dem bestehenden Kundenstamm den Weg in die Zukunft nicht zu verbauen.

L-Mount – Ein Bajonett für die Zukunft?

Wesentlich entscheidender als die Frage nach dem Sensor ist aus meiner Sicht die Frage des Bajonetts: Wie kann man sicherstellen, dass die Entwicklung von neuen Optiken auf möglichst viele verkaufte Einheiten verteilt werden kann? Wie schon bei MFT bietet sich hier eine Allianz an, die die Verwendung von hochwertigen Optiken an Kameras von verschiedenen Herstellern ermöglicht. Mit Panasonic, Leica und Sigma haben sich hier einige Schwergewichte zusammengetan, um unter dem Namen L-Mount Allianz neue Kundengruppen zu erschließen. Das Bajonett war hierbei schon bei der Leica SL im Einsatz und hat sich damit bewährt.

Mit dem L-Mount beginnt eine Ära kompromissloser Kompatibilität. Leica Camera, Panasonic und Sigma schaffen eine kundenfreundliche Lösung, die beliebige Kombinationen der APS-C- und Vollformatkameras aller drei Hersteller mit deren Objektiven zulässt. Egal in welcher Kombination – praktisch alle Qualitäts- und Funktionsmerkmale der unterschiedlichen Systeme bleiben vollständig erhalten. Der L-Mount eröffnet dem Fotografen somit ein weites, nahezu unbegrenztes Spektrum kreativer Möglichkeiten. (Quelle, 19.01.2019)

Da Konkurrenz eigentlich immer das Geschäft belebt, freue ich mich sehr darüber, dass sich hier neue Perspektiven auf dem Markt ergeben. Welchen Erfolg die Unternehmen damit haben werden, bleibt aber zumindest abzuwarten. Wesentliche Faktoren dabei sind für mich:

  • Die Kompaktheit der Optiken
  • Die Kompaktheit der Bodys (z.B. Panasonic S1 / S1R)
  • Die Preise für die Optiken
  • Die Vielfalt der Optiken

Ausblick und Erwartungen

Nur wenn die Kunden das neue System annehmen, können die Synergien richtig genutzt werden. Zudem bleibt abzuwarten, ob sich weitere Hersteller diesem Konsortium anschließen werden. Einfallen würden mir dabei zuerst Olympus oder Pentax.

Spannend wird auch sein, ob sich durch die neue Vielfalt auch neue Perspektiven für die Nutzer von Leica-Kameras ergeben, da Sigma und Panasonic möglicherweise neue Objektive auf den Markt bringen. Diese Möglichkeiten sind ja bislang sehr begrenzt.

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