Experiment: Das Apple MacBook 12″ als mobiles Arbeitstier

Mittlerweile bin ich seit mehr als zehn Jahren jeden Tag mit Laptops von Apple unterwegs. Begonnen hat alles 2007 mit einem weißen MacBook, seinerzeit noch aus Kunststoff. Der grundsätzliche Einstieg war schnell geschafft und ein Rückzug in die Welt der Wettbewerber eigentlich zu keiner Zeit ein Thema. Nicht weniger spannend als der damalige Umstieg von Dell und Windows zu Apple und MacOS ist mein aktueller Schritt weg vom Full-Featured MacBook Pro (13″, Retina) zum MacBook 12″ mit einer einzigen USB-C-Buchse und einem Prozessor, den man sonst nur von Tablets kennt.

In diesem Artikel möchte ich gerne auf die Motivation meines Umstiegs sowie auf meine Erkenntnisse eingehen.

Warum dieser Artikel?

Grundlegend für das Verständnis für dieses Experiment ist sicherlich die Motivation, welche überhaupt zu diesem Ansatz geführt hat: Ich bin viel mit meinem Notebook unterwegs und nutze es sowohl auf Reisen, zu Hause und auch im Büro als einzigen Rechner. Daheim und auf Reisen wird das Notebook mobil genutzt, im Büro nutze ich dazu einen großen Monitor per HDMI sowie meine MagicMouse und mein Wireless Keyboard von Apple per Bluetooth. Mehr Peripherie benötige ich nicht. USB-Sticks und externe Festplatten gehören für mich zu einer aussterbenden Rasse.

In allen Tests und Medien liest man immer wieder Dutzende von Argumenten, warum das MacBook 12″ kein Ersatz für ein richtiges Notebook ist: Das Display ist zu klein, die Tastatur hat keinen ordentlichen Hub und mit einem USB-C-Anschluss kann doch in der Praxis niemand leben.

Mein MacBook Pro 13″ Retina hat mich fünf Jahre treu begleitet und sich in dieser Zeit keine Schwächen geleistet. Einziges Manko: Für mich ist es als täglicher Begleiter in Taschen und Rucksächen einfach zu schwer! Der Versuch, das MacBook durch ein iPad zu ersetzen oder zumindest zu ergänzen ist für mich gescheitert. Dort fehlt es einfach – trotz iOS 11 und vielen Verbesserungen – noch immer am Multitasking.

Abgrenzung

Wer hier einen fachlich fundierten Test oder die Auflistung der Leistungsdaten sucht, wird enttäuscht werden. Hier geht es ausschließlich um meine Erwartungen und Erfahrungen mit dem MacBook 12″ während meines Alltages.


Der erste Eindruck

Als das MacBook 12″ (2016) bei mir angekommen ist, haben sich bei mir im ersten Moment verschiedene Eindrücke gezeigt, die ich an dieser Stelle noch ohne Wertung nennen möchte – später komme ich dann auf die Punkte zurück.

  • Man, ist das schön! (Ich habe mich für Spacegrey entschieden)
  • Man, ist das leicht! (920 Gramm)
  • Man, ist das dünn! (0,35 bis 1,31 cm)
  • Man, ist das zerbrechlich!
  • Ob das Displayscharnier wohl lange durchhält?

Nach dem Einschalten hat sich dann sofort gezeigt, dass das Display wirklich klasse ist. Die Helligkeit ist auch für schwierige Orte absolut ausreichend und die hohe Auflösung lässt alles gestochen scharf erscheinen. Für mich war schon seit dem PowerBook G4 12″ klar, dass 12″ für mich die beste Größe ist. Die ersten Berührungen mit der Tastatur haben dann auch schnell alle groben Zweifel zerstreut. Der geringe Hub durch den Butterfly-Mechanismus ist für mich kein Problem. Im Gegenteil: Nach zwei Wochen habe ich das Gefühl, dass ich auf der flachen Tastatur noch schneller und vor allem auch leiser schreiben kann als auf der großen. Der Umstieg zwischen Butterfly und meinem WirelessKeyboard im Büro fällt mir Tag für Tag sehr leicht. Ich persönlich denke, hier wird in den Medien und in den Rezensionen aus einer Mücke ein Elefant gemacht.

Das MacBook 12″ im Alltag

Seit nunmehr zwei Wochen begleitet mich nun täglich mein kleines, unaufgeregtes MacBook jeden Tag und auf jeder Reise. Oftmals habe ich bei den 920 Gramm das beunruhigende Gefühl, ich habe es zu Hause vergessen!

Leistung

Das MacBook 12″ bewältigt alle Aufgaben im Büro ohne Probleme. Der verbaute Intel m3 ist rein vom Gefühl eher einen Tick schneller als mein i5 aus meinem MacBook Pro. Insgesamt würde ich beide Geräte auf einem Level sehen, wobei das bei einem MacBook aus 2012 natürlich kein besonders fairer vergleich ist. Alles was grafische Dinge angeht, klappt absolut reibungslos. Mit dem Intel HD515 ist schon ein großer Sprung zum HD4000 aus dem MacBook Pro zu erkennen wie man vor allem beim Scrollen in Webseiten sofort merken kann. Zusammenfassend reicht die Leistung für mich absolut aus und ich sehe da auch keine Engpässe auf mich zukommen. Was mich an dieser Stelle selbst überrascht ist die geringe Wärmeentwicklung. Selbst wenn ich längere Zeit aufwändigere Anwendungen laufen lasse, erwärmt sich das Gerät kaum. Das macht einen guten Eindruck!

Akkulaufzeit

Apple verspricht beim MacBook 12″ irgendwas um die 12 Stunden. Ich komme da erwartungsgemäß nicht ganz ran. Die meisten meiner Anwendungen laufen im Browser und Apple Mail muss Gigabytes von Emails hin- und herwuchten. Zudem Kommuniziere ich ausschließlich per WLAN und Bluetooth mit anderen Geräten. Nach 8-9 Stunden ist bei mir Schluss und das reicht völlig aus. Selbst wenn ich das MacBook auf Reisen nutze, bin ich selten länger als 5 Stunden von einer Steckdose entfernt.

Ergonomie

Dieser Punkt ist aus meiner Sicht der kontroverseste auf der Liste. Neben der Tastatur ist der USB-C-Anschluss wohl der am meisten diskutierte Punkte in anderen Rezensionen. Die Tastatur macht mich mittlerweile richtig glücklich und ich komme mit sehr hohem Tempo fehlerfrei durch meine Texte. Probleme mit der Umgewöhnung zu anderen Tastaturen gibt es für mich nicht. Beim USB-C-Anschluss bin ich mit einem Adapter (Apple USB‑C Digital AV Multiport Adapter) voll zufrieden. Der Monitor per HDMI und ein USB-A reichen für meinen Alltag völlig aus. Ansonsten ist das MacBook 12″ durch das geringe Gewicht und die Abmessungen ideal für mich, um es immer dabei zu haben. Dazu kommt noch, dass das Netzteil ebenfalls sehr klein und leicht ist und damit immer mitgeführt werden kann.

Lautsprecher und Akustik

Für mich ist die Akustik eigentlich kein wichtiger Punkt, da ich meistens mit Kopfhörern der Musik lausche. Wenn man aber bei diesem kleinen MacBook 12″ mal den Ton aufdreht, dann versteht man zunächst die Welt nicht mehr. Wie kann so viel Ton und Bass aus einem so kleinen Gerät kommen? In dieser Kategorie ist das kleine MacBook seinem großen Vorgänger Lichtjahre voraus und verblüfft mich immer wieder. Eher eine Randnotiz aber für manche mag das wichtig sein!

Kritikpunkte

Natürlich gibt es bei einem Gerät in dieser Kategorie auch einige Kritikpunkte. Neben dem sehr hohen Preis für den Adapter (Apple USB‑C Digital AV Multiport Adapter) für 79€ gilt diese Kritik vor allem dem Displayscharnier. Ich persönlich empfinde es einfach als zu locker. Es macht zwar einen stabilen Grundeindruck aber das Display wackelt beim Arbeiten auf flexiblen Oberflächen (z.B. ein Klapptisch im ICE) schon ordentlich. Insgesamt vermittelt es einfach nicht den Eindruck, als würde es mehrere Jahre ohne Probleme überstehen. Dazu halte ich gerne auf dem Laufenden.


Die Zusammenfassung

Wer sich auch nur Ansatzweise mit der Anschaffung des MacBook 12″ beschäftigt, stellt fest, dass man hier gegebenenfalls ein paar Kompromisse eingehen muss. Eine tabletartige Tastatur und die Reduzierung auf einen einzelnen Anschluss (USB-C) sind vermutlich nicht für jeden klassischen Nutzer geeignet. Zudem ist ein Display mit einer Diagonale von 12″ sicher vielen Nutzern zu klein. Meine Meinung: Wer da große Zweifel hat, sollte einfach bei einem größeren Modell bleiben. Ich gehe diese Kompromisse sehr gerne ein und nach zwei Wochen fühlen sie sich kaum noch wie Kompromisse an.

Wer auf absolute Mobilität setzt und trotzdem nicht auf ausreichende Leistung für den Büroalltag verzichten möchte, der ist bei diesem Gerät meiner Meinung nach genau richtig.

Ergänzung: Hüllen und Schutz für das MacBook

Da ich selbst mein MacBook jeden Tag mit mir trage, habe ich mir Gedanken gemacht, wie ich es sinnvoll schützen kann. Eine richtige Hülle war mir einfach zu unpraktisch und zu groß, da ich das MacBook dann immer erst aus der Hülle holen muss und es dann – weil es doch sehr filigran ist – dich ungeschützt auf dem Tisch steht. Bei hardwrk aus Hannover habe ich dann aber die richtige Lösung für mich gefunden – eine Silikonhülle, die Unterseite und Oberseite des MacBook auch während der Nutzung umschließt.

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